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Eltern werden, Paar bleiben

Ein Artikel von

Marion Birnbaumer

Wenn aus zwei ein drei wird, verändert sich vieles. Wichtig ist, sich als Paar immer wieder neu auf die Beziehung einzulassen. Eine Geburt stellt die Paarbeziehung auf den Kopf. In der bisherigen Zweierbeziehung war das Paar aufeinander abgestimmt. Bereits während der Schwangerschaft und insbesondere durch die Geburt des neugeboren Kindes verändern sich fast alle Lebensbereiche der bisherigen Beziehung zu zweit, weil man auf einmal zu dritt ist.

Zum Beispiel?

Aus zwei persönlichen Gehältern wird ein Familieneinkommen. Plötzlich entstehen finanzielle Abhängigkeit und die Verantwortung, eine Familie zu versorgen. Das Baby steht mit seinen Bedürfnissen im Mittelpunkt. Die Hausarbeit nimmt zu und muss neu verteilt werden. Die Grosseltern werden zur Entlastung gebraucht, haben aber ihre eigenen Erziehungsvorstellungen. Gewohn- und Gelegenheiten für Schlafen, Essen, Zeit für Hobbies und natürlich auch für Sex werden auf den Kopf gestellt ...

War das früher anders?

Ja, es hat sich vieles verändert. Trennungen waren sehr selten. Das Idealbild von Familie und Kindern hat sich gewandelt, Beziehungen sind brüchiger. Dabei sind unsere Ansprüche an Erfüllung, Glück, Partnerschaft — und auch an Erziehung — stark gewachsen.

Wie sieht es mit dem familiären Rückhalt aus?


Unterstützung durch die Grossfamilie gibt es nur noch selten. Viele Eltern haben niemanden in der Nähe, der sie einmal entlasten könnte. Hinzu kommt, dass die Rollenbilder für Mutter- und Vater-Sein früher klarer abgegrenzt waren.

Wie gelingt es, die Paarbeziehung zu pflegen?


Zunächst einmal gibt es kein Patentrezept, eher eine Grundregel: „Geht es den Eltern gut, geht es dem Kind gut“. Das bedeutet, neben der Eltern- und der Paarbeziehung auch die Beziehung zu sich selbst nicht zu vergessen, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen. Da das „Paar-Sein“ das Rückgrat der neuen Familie ist, ist es wichtig, den Partner oder die Partnerin trotz allem Babyglück nicht aus den Augen zu verlieren. Nicht nur das Baby, auch die Beziehung braucht Pflege.

Haben Sie konkrete Tipps?

Es braucht einen Austausch als Paar: Welche Vorstellungen vom Leben mit dem Kind bestehen? Welche Rollen werden als Vater oder Mutter erwartet? Wie werden Haushalt, Kinderbetreuung und die Zeit für eigene Bedürfnisse aufgeteilt? Es kann helfen, wöchentlich einen festen Zeitpunkt mit dem Partner zu planen und sich „Liebesinseln“ zu schaffen. Auch wenn dieser Termin mangels Babysitter zuhause stattfindet, ist es dennoch möglich, dem Anderen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Und immer wieder dem Partner zu zeigen, dass er/sie wichtig ist.

Was kann bei dieser Umstellung hilfreich sein?


Wenn man ein neues Gewicht an ein Mobile anfügt, trudelt dieses, bevor es wieder ins Gleichgewicht findet. Alle Paare brauchen Zeit und Geduld für den Aufbau eines neuen, beruhigten „Familien-Mobiles“.

Ist die Realität so einfach?

In der Praxis wird es immer wieder Zeiten geben, in denen es erschwert ist, die Paarbeziehung zu pflegen. Hier heisst es dann: dranbleiben, nicht aufgeben und es immer wieder neu angehen. Es kann gut tun, sich mit anderen frischgebackenen Eltern auszutauschen und bewährte Ideen auszutesten. Professionelle Tipps und Informationen erhalten Paare an unseren Informiert-schwanger-Abenden, bei komplexen Problemen wird Unterstützung von Beratungsstellen wie unserer angeboten.

Marion Birnbaumer

Über die Autorin: Marion Birnbaumer

Marion Birnbaumer ist Dipl. Sozialarbeiterin und Systemische Beraterin.

© 2020 Sophie von Liechtenstein Stiftung

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